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Die Klax Pädagogik im Kontext der aktuellen europäischen Entwicklung

kontaxtMit der durchgehenden Kompetenzorientierung der Klax Pädagogik stellt sich diese einer Herausforderung, die bekanntermaßen nicht nur für den europäischen Raum von immenser Bedeutung ist, sondern auch für den globalen Bildungs- und Arbeitsmarkt in der Wissensgesellschaft. Auf der Ebene der Vereinten Nationen (UN), der Europäischen Union (EU) und darauf gründend auch auf nationaler Ebene hat sich seit Anfang der 1990er Jahre einiges in Richtung einer zunehmenden Kompetenzorientierung getan.

Rio-Konferenz

Die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung von 1992 (kurz: Rio-Konferenz) hat mit der Verabschiedung der Agenda 21 hohe Erwartungen an die Lösung von globalen Umwelt- und Entwicklungsfragen gestellt und diese mit einem Rahmen versehen, in dem die Herausforderungen zu bewältigen wären. Dieser Rahmen schließt auch die Förderung der Bildung von Menschen mit ein und hat in seiner Umsetzung maßgebliche Konsequenzen auf Bildungsinstitutionen. Deshalb befasst sich die Agenda 21 auch mit der „Förderung der Schulbildung, des öffentlichen Bewusstseins und der beruflichen Aus- und Fortbildung“.

Sorbonne-Erklärung

Mit der Sorbonne-Erklärung von 1998 haben sich die vier Bildungsminister Frankreichs, Italiens, Großbritanniens und Deutschlands verpflichtet, sich „für einen gemeinsamen Rahmen einzusetzen, um so die Anerkennung akademischer Abschlüsse im Ausland, die Mobilität der Studenten sowie auch ihre Vermittelbarkeit am Arbeitsmarkt zu fördern“.

Die Bemühungen zielen darauf ab, einen „europäischen Raum für Hochschulbildung zu schaffen“, um so die Position Europas in der Welt zu stärken (vgl. Gemeinsame Erklärung zur Harmonisierung der Architektur der europäischen Hochschulbildung, Paris, Sorbonne, den 25. Mai 1998).

Bologna-Erklärung

Gut ein Jahr später folgte dann die Bologna-Erklärung der Europäischen Bildungsminister. Sie bezog sich auf ein „Europa des Wissens“, mit dem die Möglichkeit impliziert ist, den Bürgern der EU „notwendige Kompetenzen für die Herausforderungen des neuen Jahrtausends“ zu vermitteln sowie ihr Gemeinschaftsgefühl in Anerkennung gemeinsamer Werte zu steigern. Insbesondere die „geistigen, kulturellen, sozialen und wissenschaftlich-technologischen Dimensionen“ der wachsenden Europäischen Union sollen ausgebaut und gestärkt werden. Bildung ist dazu ein wesentlicher Schlüssel, weshalb Bologna auf die in der Sorbonne-Erklärung angeregten gemeinsamen europäischen Hochschulrahmen rekurriert. Der wesentliche Verdienst von Bologna ist die Einordung auf das Ziel, die „Vergleichbarkeit der Hochschulsysteme“ mittelfristig zu gewährleisten und dessen „internationale Wettbewerbsfähigkeit“ zu steigern. Bologna sieht konkrete Ziele vor, die in der ersten Dekade des dritten Jahrtausends erreicht werden wollen und die sich vorrangig auf die Schaffung eines „europäischen Hochschulraums“ und die „Förderung der europäischen Hochschulen weltweit“ beziehen. Darunter die zyklische Organisation des Studiensystems, welche mit der teils erfolgten Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge konkrete Form nunmehr auch in Deutschland annimmt. Darunter auch die Einführung eines Leistungspunktesystems, von dem es ausdrücklich heißt: „Punkte sollten auch außerhalb der Hochschulen, beispielsweise durch lebenslanges Lernen, erworben werden können, vorausgesetzt, sie werden durch die jeweiligen aufnehmenden Hochschulen anerkannt“. Ebenso soll die Zusammenarbeit auch auf curricularer Ebene verstärkt werden.

Die Klax Pädagogik unterstützt die mit Bologna angetretenen bildungspolitischen Bemühungen auf europäischer Ebene, insbesondere die notwendige Fokussierung auf Kompetenzen und die noch zu schaffende Möglichkeit des Nachweises von Kompetenzen, die außerhalb regulärer institutioneller Bildungsformen erworben wurden.

Weltdekade der Bildung für nachhaltige Entwicklung

Im Nachgang zur Agenda 21 und vor dem Hintergrund der neueren Entwicklungen wurden die Jahre 2005 bis 2014 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen im Dezember 2002 zur Weltdekade der Bildung für nachhaltige Entwicklung (Education for Sustainable Development) erklärt. Damit hat sie die Empfehlung des vorangegangenen Weltgipfels für Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg (2002) durch eine Beschlussfassung umgesetzt. Die Organisation und Umsetzung in diesem Sinne voranzutreiben, ist Aufgabe der UNESCO.

Die in der Klax Pädagogik beschriebenen Kompetenzfelder sind angelehnt an die Schlüsselqualifikationen der UNESCO-Kommission und den darauf beruhenden BLK-Orientierungsrahmen „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“, der Eckpunkte einer „Education for Sustainable Development“ in den Bereichen Kindertagesstätten, Schule, berufliche Bildung, Hochschule, allgemeine Weiterbildung und außerschulische Bildung beschreibt. Aus der Bund-Länder-Kommission, die dafür zuständig war, den Rahmen für eine gelingende Umsetzung in den Bildungsinstitutionen der einzelnen Länder zu geben, ist im Zuge der Föderalismusreform ab 1. Januar 2008 die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hervorgegangen. Sie wird dafür Sorge tragen müssen, dass die institutionelle Bildung in Deutschland mehr als bisher auf den Erwerb von Kompetenzen ausgerichtet wird.

Der Europäische Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen

Wie bildet man berufliche Qualifikationen und erworbene Kompetenzen so ab, dass sie innerhalb der Europäischen Union vergleichbar sind? Der von der EU entworfene Europäische Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen ist der Versuch einer konkreten Antwort auf diese Frage. Im Zuge der Entwicklungen, die auf die Bologna-Erklärung folgten, wurde der EQR entwickelt. Er soll gewissermaßen zwischen den unterschiedlichen Qualifikationssystemen der EU-Staaten übersetzen und so die Qualifikationen und Kompetenzen von Menschen sichtbar machen. Ziel des EQR ist es, die Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen EU-weit zu ermöglichen. So sollen Arbeitgeber und Institutionen auf einen Blick sehen können, über welchen Qualifikationsgrad und welche Kompetenzen ein Bewerber verfügt. Die Menschen hätten davon einen Zugewinn an Mobilität und Flexibilität, da nicht nur ihre Bildungsabschlüsse EU-weit leichter anerkannt werden könnten. Auch die auf andere Weise erworbenen Kompetenzen (z.B. durch Fortbildungen) könnten über die Zuordnung zum EQR anerkannt werden. Auf diese Weise würde das lebenslange Lernen von Bürgern der EU unterstützt. Nur Zukunftsmusik? Aktuell ist die Einrichtung des EQR durch das Europäische Parlament mit Beschluss im April 2008 als „unverbindliche Empfehlung“ formell in Kraft, wobei viele Mitgliedsstaaten bereits eigene, an das EQR angelehnte Qualifikationsraster entwickeln und erproben bzw. diskutieren. Bis 2010 sollen diese mit dem europäischen Referenzrahmen verknüpft sein. Und nur zwei Jahre später sollen alle Qualifikationsbescheinigungen der unterschiedlichen Länder, also Zeugnisse, Zertifikate oder andere Qualifikationsnachweise „einen Verweis auf das zutreffende EQR-Niveau enthalten“.

Das grundlegend Neue an den Überlegungen zum EQR ist, dass es nicht mehr in erster Linie darum geht, auf welche Weise ein Mensch eine Kompetenz erworben hat. Wie lange der Lernprozess gedauert hat und ob in der Schule, zu Hause, bei einer Fortbildung, am Arbeitsplatz oder wo auch immer gelernt wurde, spielt eine untergeordnete Rolle. Denn die im EQR festgelegten Qualifikationsniveaus beziehen sich auf die Lernergebnisse. Was kann der Mensch, was weiß er, was versteht er? – Mit Hilfe des EQR könnte es endlich gelingen, auch Kompetenzen abzubilden und „amtlich“ nachzuweisen, die auf informellen Wegen erworben wurden. Bisher war es nur möglich, Leistungen nachzuweisen, die auf formellen Bildungswegen z.B. in der Schule, in der Berufsausbildung oder an der Universität erworben wurden.

Vorteil des EQR ist, dass er sich auf die Lernergebnisse fokussiert, also Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen darzustellen vermag. Er bringt Licht in den Dschungel der unterschiedlichen Bildungssysteme der EU-Mitgliedsstaaten – vorausgesetzt, er funktioniert. Der EQR umfasst acht Referenzniveaus, die in Form von Lernergebnissen beschrieben werden. Diese sind in die drei Kategorien Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten eingeteilt. Theoretisches Wissen, praktische Fertigkeiten und soziale Kompetenzen werden auf diese Weise erfasst. Die acht Niveaustufen werden durch sogenannte Deskriptoren beschrieben und definiert. Ein Beispiel:

Niveaus Niveau 2 Niveau 7
  Zur Erreichung von Niveau 2 erforderliche Lernergebnisse  Zur Erreichung von Niveau 7 erforderliche Lernergebnisse
Kenntnisse Grundlegendes Faktenwissen in einem Arbeits- oder Lernbereich Hochspezialisiertes Wissen, das zum Teil an neueste Erkenntnisse in einem Arbeits- oder Lernbereich anknüpft, als Grundlage für innovative Denkansätze und/oder Forschung;
Kritisches Bewusstsein für Wissensfragen in einem Bereich und an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Bereichen
Fertigkeiten Grundlegende kognitive und praktische Fertigkeiten, die zur Nutzung relevanter Informationen erforderlich sind, um Aufgaben auszuführen und Routineprobleme unter Verwendung einfacher Regeln und Werkzeuge zu lösen Spezialisierte Problemlösungsfertigkeiten im Bereich Forschung und/oder Innovation, um neueste Kenntnisse zu gewinnen und neue Verfahren zu entwickeln sowie um Wissen aus verschiedenen Bereichen zu integrieren
Fähigkeiten Arbeiten oder Lernen unter direkter Anleitung in einem vorstrukturierten Kontext Leitung und Gestaltung komplexer, unvorhersehbarer Arbeits- oder Lernkontexte, die neue strategische Ansätze erfordern;Übernahme von Verantwortung für Beiträge zum Fachwissen und zur Berufspraxis und/oder für die Überprüfung der strategischen Leistung von Teams

Aus der Beschreibung ist ersichtlich, wie sich die acht Niveaustufen unterscheiden und welche Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten erforderlich sind, um sie zu erreichen.

Die Entwicklung hin zum EQR ist aus Sicht der Klax Pädagogik als einer kompetenzorientierten Pädagogik äußerst begrüßenswert. Einer der Grundsätze in der Klax Pädagogik ist die Förderung individueller Lernwege und das Erreichen von Zielen, die grundlegende Kompetenzen beschreiben. Die Ziele werden auf Stufenblättern festgehalten, die wie eine „Bildungstreppe“ angeordnet sind und im Zuge der Entwicklung und Bildung eines Menschen beschritten werden. Die Stufen sind in diesem Sinne etwas Ähnliches wie die Niveaus des EQR. Die Zielerreichung wird in der Klax Pädagogik mit Hilfe von Kriterien gemessen und transparent gemacht, die vom Ansatz her nichts anderes sind als das, was im EQR als Deskriptoren bezeichnet wird. Daran zeigt sich, dass die Klax Pädagogik im europäischen Kontext hochaktuell und fortschrittlich ist. Einrichtungen, die die Klax Pädagogik umsetzen, haben heute schon Lern- und Dokumentationsformen etabliert, die in naher Zukunft eine Selbstverständlichkeit für Bildungsinstitutionen in der Europäischen Union sein werden.